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KIELER BALLONFAHRER ÜBERQUEREN IM HEISSLUFTBALLON DIE ALPEN Am 20.01.2000 nach einer Fahrtdauer von 3:40 Stunden und einer zurückgelegten Strecke von 165 km war die Tat vollbracht. Ein Reisebericht von Thomas Oeding. Eigentlich ist die Chance Europas größtes Gebirge mit dem Heißluftballon zu überfahren nicht gerade groß, wenn man nur eine Woche Aufenthalt in den Alpen hat. Wir hatten uns im Dezember 1999 mit unserem bewährten Team Christoph, Matthias, Rene und Thomas zum Ballonfahrertreffen in St. Johann, Tirol gemeldet, in der Hoffnung dem norddeutschen Schmuddelwetter ein Schnippchen schlagen zu können. Eine Alpennordstau-Situation, ließ Ballonfahren tagelang nicht zu, dafür Kamikaze-Rodeln um so besser. Am fünften Tag stellte sich jedoch eine Wetterlage ein, auf die so viele Ballonfahrer schon so oft gewartet hatten. Der Nordfoehn - mit wenig Wind bei Start und Landung und in der Höhe 70-80 km/h von Nord nach Süd. Direkt vor der mächtigen Kulisse des Wilden Kaisers, sollte der Start bei nahezu Windstille erfolgen. Die Aufregung stand allen Beteiligten ins Gesicht geschrieben. Der Ballonkorb wurde unter Anwendung einer Klarliste mit Gaszylindern (insgesamt 210 kg Propangas), einer 10 Liter-Sauerstoffanlage, einer eigens konstruierten Notzündquelle, GPS-Navigationssystemen, Funk und Kartenmaterial und einer Notausrüstung zum Verweilen im Berg ausstaffiert. Die Startmasse bis zum Maximum, ca. 800 kg ausgereizt. Ein defekter Gaszylinder mußte während der Startphase noch ausgetauscht werden, der Adrenalinausstoß kam einfach nicht zur Ruhe. Um Punkt 11:20 Uhr stieg der 3000m3 fassende Ballon D-OLAP in den stahlblauen Himmel über St. Johann auf. Christoph und Thomas im Ballon, Matthias und Rene' im bergungssicheren, multifunktionalen, allradgetriebenen, mit Leuchtraketen und Kettenzug versehenen, Panzerstahlplatte verziertem Verfolgerfahrzeug auf dem Weg durch die Fellberger Tauern, `gen Süden. Nach wenigen Minuten erlosch der Funkkontakt und beide Teams, am Boden wie in der Luft waren auf sich allein gestellt. Wir sollten unsere Freunde erst acht Stunden später wiedersehen. Der Ballon stieg unter gleichmäßigen Brennerstößen bis auf 4000m MSL (Meeresspiegel), als uns ein leicht euphorisches Schwindelgefühl erschlich. Wir beschlossen Sauerstoff zu uns zu nehmen, welch eine Geistesaufklarung, die sich da einstellte. Frohen Mutes stiegen wir weiter, um den Großglockner in 5839m bei ca. -35°C zu überfahren. Eine grandiose Szenerie von schneebedeckten Gebirgszügen tat sich vor uns auf. Ab 5600m MSL macht der Brenner einige Male Probleme, sprich die sogenannten Zündflammen, gaben wiederholt Ihren Geist auf, sodaß die schon erwähnte Notzündquelle zum Einsatz kam. Ich möchte sagen, und Christoph hat es genauso empfunden, so eine Höhenfahrt in den Alpen ist schon etwas ganz besonderes, ein Wechsel zwischen Adrenalinschüben und grandiosem optischem Genuß, nicht zu vergleichen mit den Ballonfahrten, die wir bisher erlebten. Diverse Brennerausfälle und leichte Turbulenzen am Alpenhauptkamm forderten unsere geballte Konzentration, fahrerisches Geschick und uns die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung ab. Von der Vorbereitung bis zur Bergung war es eine einzige große Erfahrung für uns. Nach 1:30 Std. konnten wir das erste mal die Adria am Horizont sehen. Der Kurs war immer noch ziemlich genau Süd mit 75 km/h, doch der Gasvorrat schrumpfte bedenklich schnell. Eine Fahrt bis Venedig schien bei der Geschwindigkeit unmöglich, also peilten wir Udine (es gibt nur ein` Olli Bierhoff) an. Am letzten Gebirgskamm nahe Tolmezzo stiegen wir mit einer Gasreserve ab um einen Landeplatz zu suchen. Von 5500m auf 700m mit 6 m/sek, das gibt Druck auf den Ohren. Glück hatten wir mit den kommoden Windverhältnissen, Pech allerdings mit dem Landegelände. Soweit man sehen konnte nur Bäume. So dümpelten wir eine Stunde herum, bis sich gegen 15:00Uhr eine markstückgrosse Lichtung auftat und der Ballon saugend schmatzend bis zum Erdboden durchglitt, ohne Schaden zu nehmen. Der letzte Adrenalinschub verflog und Christoph und ich lagen uns in den Armen. So was nun ? Kein Funkkontakt, Handy-Funkloch, das nächste Dorf ca. 3 km eisglatten Serpentinenmarsch entfernt, wie Christoph ,der sich auf den Weg zum nächsten Telefon machte zwecks Benachrichtigung unserer Verfolgercrew, später berichtete - das war die Situation. Zwei slowenische Waldarbeiter halfen mir in der Zwischenzeit mit Unterstützung einer Maschine deren Kraftausdauer und Untersetzung Matthias später die Tränen der Bewunderung in die Augen trieb, das Ballonequipment auf einen Wirtschaftsweg zu verbringen. Sie fuhren mich zudem noch ins nächste Dorf, das dauerte nur 10 Minuten und nahmen als Dank nur drei weltbekannte Schokoriegel an. Freundliche Menschen nahmen mich auf und ich erfuhr den Namen unseres Landeortes, Platischis (gesprochen Platiskis) italienseits, nahe der slowenischen Grenze. Wo war Christoph geblieben? Niemand hier wußte es. Gegen 18:00 betraten drei Uniformierte der Guarda de la financa (Zoll) den Raum mit Christoph im Schlepptau. Noch leichenblaß von der haarsträubenden Serpentinenfahrt im Fiat Uno, erzählte er mir von seinem 2,5 stündigen Marsch bis zur slowenischen Grenze, von seinen hauptsächlich aus Gesten bestehenden Erklärungsversuchen gegenüber den Beamten, sein Anliegen darzulegen, einen bedeutenden Telefonanruf tätigen zu wollen. Nun kam es also raus, unsere freundlichen Helfer, die slowenischen Waldarbeiter, hatten im Eifer des Gefechts Christoph in die entgegengesetzte Richtung geschickt. Ein kalorienzehrendes Versehen. Nachdem die Uniformierten unsere Personalien aufgenommen hatten und endlich klar wurde ,dass wir harmlose, wenn auch tapfere Ballonfahrer sind und nicht Immigrantenschleuser aus Slowenien, hellte sich auch bei uns die Stimmung auf. Matthias und Rene hatten wir rasch über Landeort und Situation telefonisch informiert. Unsere Gastgeber Celestina, Fernando und Daniello verwöhnten uns von nun an mit spaghetti a oglio, antipasti, Brot, Käse vom Feinsten und dem besten Rotwein der Welt. Mit Zuprosten und Klönschnack in drei Sprachen vertrieben wir uns die Zeit bis zum Ankommen unserer Freunde gegen 19:30 Uhr. Ich erspare mir die nächsten vier Stunden, bis wir abfahrbereit im Auto saßen, im Detail zu schildern, weil es mir sonst von neuem den Muskelkater in die Beine treiben würde. Nur soviel: Was sich bei dieser Bergung über nur 2 km abspielte, hätte Steven Spielberg zu einer Verfilmung inspiriert. Mehrfach blieb der Beste aller Wagen stecken, mehrfach wurden die Konstruktionen und Materialien zur Bergung der Ballonausrüstung modifiziert und mehrfach lagen wir mit der Nase im Schnee. Es war Vollmond und zu unserem Glück fehlte uns nur noch ein heulendes Wolfsrudel in dieser unwirklichen nächtlichen Stimmung. Wir erreichten das Hotel in St. Johann nicht ganz taufrisch gegen 6:00 Uhr morgens, legten uns zwei Stunden schlafen und wankten leicht verknittert um 9:00 Uhr zum Piloten-Briefing, bei dem wir erfuhren, dass an diesem Tag wohl kein Ballonfahrwetter wäre. Ich kann nicht sagen, dass ich darüber enttäuscht war. Ein dickes Dankeschön unserer Kampfcrew Matthias und Rene, die fast 24 Stunden für uns auf den Beinen war. Thomas Oeding, Pilot, THOMAS BALLONREISEN Christoph Laloi, Pilot, BALLONTEAM OSTSEE Matthias Hansen Rene' Tretow
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